Einklang | POP

„Kannst Du Pop...?"

Foto: Andreas Brandl
Foto: Andreas Brandl

Stimmungsvoller als die beiden Pop-Abende des Vokalensembles Einklang kann man sich Vokalkonzerte nicht wünschen. Chorleiter Roman Öschlberger steht auf der Bühne und beschwert sich lautstark über die Verspätung seines Chores, der, nicht minder lautstark, Motorengräusche von sich gebend, durch das Publikum kurvt und offensichtlich keinen Parkplatz findet. Innerhalb von vier gezählten Schlägen sind dann alle auf dem Punkt in einem Takt. Es geht Los – „Mambo“ von Herbert Grönemeyer…

 

Der folgende Queen Song „Don’t Stop Me Now“ steht Pate für den Abend. Denn Einklang ist an den beiden Konzertabenden tatsächlich nicht aufzuhalten. Herrlicher Chorklang, leidenschaftliche Soli und die alles mitreißende Stimmung bringen sowohl Publikum als auch SängerInnen an den Siedepunkt des hochklassigen Entertainments.

 

Dass die Welt vor dem Emailwerk in zwei heißen Sommerabenden verglühte, kümmerte die hitzebeständige Einklang-Fangemeinde nur wenig. An beiden Abenden wurde der Saal voll besetzt und jedem musikalischen Aufguss entgegen gefiebert. Auch in der Einklang Version von „Imagine“ sang John Lennon davon, dass man sich eine Welt ohne Himmel und Hölle vorstellen sollte und meinte wohl, dass beides bei diesen Temperaturen sofort verdampft wäre. Peter Fox‘ „Haus am See“ brachte auch keine Abkühlung – das Arrangement mit Solotenor war einfach zu heiß.

 

An geeigneten Stellen wurde die emotionale Achterbahn zwischen rhythmusgeladenen Chartstürmern und herzrührenden Tränen(ver)dampfern von Chormoderator Leo Fellinger kurz angehalten. Einmal mehr begeisterte Fellinger die Zuhörerschaft mit ebenso witzigen und interessanten Hintergrundinformationen zur Entstehungsgeschichte der Stücke und rundete das Ganze mit einem kurzen Interview mit Richard Griesfelder ab, der Einklang bei einigen Songs am Klavier begleitete. Seine souveräne Moderationslinie wurde nur einmal kurz unterbrochen, als er den Profimusiker und erfahrenen Chorleiter Griesfelder um eine Definition der Musikrichtung Pop bat, was Griesfelder schlagfertig mit „das ist in etwa so als wenn ein Siebenjähriger einen anderen fragt: „Kannst Du Mozart…?‘“ beantwortete.

 

Was hingegen die Einklang-Damen unter Pop verstehen, zeigten sie mit einem halsbrecherisch schnellen „Rama Lama Ding Dong“ bevor sie die Herren mit „Hit The Road Jack“ endgültig von der Bühne in die Pause jagten.

 

Auch im zweiten Teil des Programms blieben die greifbare Freude am Gesang und der in die Gesichter geschriebene Spaß das verbindende Element zwischen Ensemble und Publikum. Ein vor Leidenschaft fast berstender Roman Öschlberger und ein am Flügel bis kurz vor den Brennpunkt spielender Richard Griesfelder spornten die SängerInnen zur hitzigen Höchstform an, die ihren künstlerischen Ausdruck in Queens aberwitzig komplexen „Bohemian Rhapsodie“ fand. Das muss man einmal gehört haben!

 

Als chauvinistische Antwort und Ehrenrettung für die weiblichen Verbalprügel aus Teil eins, feuerten die Männer des Ensembles Tom Jones „Sexbomb“ in die Menge während sich die Frauen hitzegetrieben-lasziv am Boden räkelten. Spaß ohne Ende.

 

Ein heißer Abend voller Unterhaltung und Lebensfreude neigte sich dem Ende zu. Einklang verabschiedete sich mit einem wunderschönen Gospelsatz nach dem Arrangement von Richard Griesfelder und „Let The Sunshine In“ von einem großartigen Publikum. Der Saal wurde, abgesehen von ein paar Kerzen, noch einmal dunkel wie die Nacht. „MLK“ der sensible U2-Nachruf für Martin Luther King beendete das emotionale Konzert in Verbundenheit zwischen Künstlern und Publikum. Standing Ovations…

(mw)

 

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