Gemischter Satz

...super Muppet Show!!!

Foto: Andreas Brandl
Foto: Andreas Brandl

 

Wenn das Vokalensemble Einklang zum Konsum eines „Gemischter Satz“ aufruft, wissen die Einklang-erfahrenen Zuhörer, es ist Zeit, sich genussvoll ins Gestühl fallen zu lassen und alle Arten von Nebengeräuschen nach außerhalb zu verbannen. Was einem Chorleiter der traditionellen Schule eher den Schlaf rauben würde, ist für Roman „Chamäleon“ Öschlberger mittlerweile eine liebgewordene Herausforderung.
Denn Einklang hat sich von den programmtechnischen Dogmen aus grauer A-cappella-Vorzeit längst verabschiedet. Nur romantisch? Nur zeitgenössisch? Nur kirchlich? Das überlässt man den altbackenen Traditionalisten. Dass Einklang sich mit seiner unvorhersagbaren Abendgestaltung längst in die Herzen des Publikums gesungen hat zeigt sich nicht (nur) am Applaus, Pfiffen und begeisterten Zwischenrufen, sondern auch an zwei gut besuchten Konzerten – an einem EM Wochenende mit Österreichspiel!!
 
Wissend um die Bedeutung einer guten Eröffnung blies Einklang ein „Jetzt Tanzen Alle Puppen“ – das Intro der Muppet Show, in die Publikumsreihen, wie Gonzo in seine Trompete. Feinfühlig kommentiert wurde das Intro zudem von zwei alten Bekannten: Statler und Waldorf, die sich, in die Sicherheit der unerreichbaren Emailwerk-Galerie wiegend, im Verlauf des Abends gleich mehrmals zum Unwort meldeten.
 
Und dann schlug der gemischte Satz mit voller Härte zu. Kaum schwiegen die Puppen, erklang ein zauberhaftes „Notre Pére“ von der Bühne, dass das herzliche Lachen von vorhin fast übergangslos in berührende Stille floss. Eines der Highlights des noch jungen Abends war mit Sicherheit auch Edward Elgars „My Love Dwelt In A Northern Land“, eine vor Dynamiken fast überquellende Komposition und einer beinahe zärtlichen Konversation zwischen den Registern, die das Ensemble wunderbar feinfühlig wiedergab.
 
Leo Fellinger, der sich als Konzertmoderator aufgrund der EM kurzerhand zum Stadionsprecher wandelte, begleitete das Publikum wieder mit viel feinfühligem Humor und wissenswerten Details zu den Stücken durch den Abend. Sein Talent zur freien Assoziation ließ ihn, sehr zur Erheiterung des Publikums, mehr als einmal Parallelen zwischen einem Konzertabend und der EM herstellen, eine Zugabe ist schließlich auch nur eine Verlängerung.
 
Den Rest des Konzertes schlüpften die Sängerinnen und Sänger beinahe stückweise in immer neue Rollen. Gerade noch klang ein diffiziles „Totra Pulchra“ über den Köpfen des Publikums, schon fand man sich kurze Zeit später mitten in der Opernparodie „Insalata Italiana“ wieder. Wo gerade noch Tschaikowskis „Legenda“ schwer und traurig von der Decke tropfte, fegte ein paar Takte weiter die rhythmische Titelmelodie von „Mission: Impossible“ durch den Saal. Vorausgesetzt das Ensemble setzte sich nicht aus multiplen Persönlichkeiten zusammen, muss man den VokalistenInnen zu ihrer Wandlungsfähigkeit auf das Herzlichste gratulieren. Kein Fußballrasen weist so viele Grüntöne auf, kein Ronaldo spielt so abwechslungsreich und kein Prohaska moderiert so charmant.
 
Nach langem Applaus bedankte sich die Formation zum Abschied bei ihrem Publikum mit einem Ausnahmestück von einem Ausnahmekomponisten. Skurril, schnell und hemmungslos präsentierte Einklang das „El Hambo“ des zeitgenössischen finnischen Künstlergenies Jaakko Mäntyjärvi, dem begeisterten Auditorium. Dann war der Gemischte Satz leergehört – leider.
(mw)

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