Einklang global

Überklangflug

Am ersten der beiden Konzerttage setzte der Applaus bereits ein, während die Sängerinnen und Sänger des Vokalensembles Einklang noch abseits der Bühne ihres Auftritts harrten. Schöner kann man einen erwartungsvollen Abend nicht beginnen.
 
Das erste Lied, die „Geographical Fugue“, eine Art Einklang-Markenzeichen, war gleichsam das Inhaltsverzeichnis des folgenden Konzertprogramms: Einmal rund um den Globus an einem Konzertabend. Mit Überschall bekommst du das nicht hin - mit Überklang geht das allemal.
 
Einklang startete auf einer überfälligen Almwiese, die mit „s’Heumahn“ voller Energie auf die richtige Länge gestutzt wurde. Danach flogen die SängerInnen mit ihrem Piloten und Chorleiter Roman Öschlberger weiter in einen deutschen Rosengarten. Öschlberger, der sich als künstlerischer Reiseplaner für Route, Zwischenstationen und Reisegeschwindigkeit verantwortlich zeichnete, führte sein Ensemble mit beeindruckender Gewandtheit durch das schwierige Programm. Der Umstand, dass jede Reiseetappe auch vom Chorleiter ständige Umstellungen erforderte, schien den vielseitigen Einklang-Chef nicht im Geringsten zu beeindrucken.
 
Das energiegeladene und äußerst kurzweilige Programm setzte sich über Belgien, Schottland nach Schweden fort und das hingerissene Publikum folgte den SängerInnen bereitwillig über Litauen nach Russland und weiter nach Armenien. Ebenfalls alle Hände voll zu tun hatte Einklang-Moderator Leo Fellinger, angesichts des sich ständigen ändernden Kurses. Mit viel Geduld und noch mehr Spaß bereitete Fellinger die ZuhörerInnen auf die jeweils folgenden Abschnitte vor, informierte über die Stücke, die Chordichte des jeweiligen Landes, und warum die ganze internationale Folkwelt unter schottischem Einfluss steht. Das Publikum dankte staunend.
 
Wie so oft bei den Einklang-Konzerten hatte man das Gefühl, die SängerInnen (Laien wohlgemerkt) geben ihr ganzes Herzblut in die Gestaltung und künstlerische Ausführung der Abende. Allein die Stückfolge mit 23! Liedern plus Zugaben in 15 Sprachen zeigt eine Liebe zum Gesang, die alles andere als alltäglich ist.
 
Man sang sich weiter nach Japan, schwenkte nach Australien und briet dort, zumindest vokal, ein Jumbuck (=Ziege, Schaf). Danach wurde es finster im Emailwerk. Alles, was man noch hörte, waren die Geräusche des Australischen Busches in der Nacht. Und die Schemen einiger wilder Tiere die sich geduckt ins Unterholz zurückzogen. Pause.
 
Die Abstimmung der Lieder ist Einklang mit dem Programm „global“ ebenso gut gelungen wie die jeweils perfekt passende Interpretation. Vom rauschigen Russen über den nasalen Japaner und einen tierischen Old McDonald bis zum herzzerreißenden Kärntner wurde jedes Lied mit der richtigen Klangfarbe gestrichen. Der geographisch heißere zweite Teil lud zum Mittanzen ein, die Beinfreiheit im vollen Saal leider nicht. So zuckten halt die Hände und vor dem geistigen Auge tanzte man mit afrikanischen Stämmen, kubanischen Schönheiten oder stolzen spanischen Recken. Der Aufforderung des Chores „Geht’s Buam gehen ma hoam“ folgte niemand im Auditorium. Erst nach der dritten Zugabe war der Überklangflug zu Ende – leider.
(mw)






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